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Amazon schaltet Mechanical Turk ab — das sind die Alternativen für Deutschland, Österreich und die Schweiz

Amazon schließt Mechanical Turk am 30. September 2026. Über 500.000 Worker in 190 Ländern verlieren damit die Plattform, die seit 2005 der Standard-Einstieg ins Mikrotasking war. Wenn du dazugehörst, brauchst du jetzt eine Alternative. Wir haben 30 Plattformen geprüft und zeigen dir ehrlich: welche Bewerber aus Deutschland, Österreich und der Schweiz wirklich annehmen, was sie tatsächlich zahlen — und wo du besser nicht anfängst.

Stand: 14. September 2026 · unabhängig recherchiert · ca. 6 Min. Lesezeit
Das Wichtigste in Kürze

Was genau passiert — und wann

Amazon hat die Schließung in zwei Schritten angekündigt. Am 5. Juli 2026 hieß es zunächst, ab dem 30. Juli würden keine neuen Auftraggeber mehr aufgenommen. Bestandskunden sollten den Dienst „wie gewohnt weiternutzen" können. Ende August kam dann die eigentliche Nachricht: Mechanical Turk wird zum 30. September 2026 vollständig geschlossen.

Amazon nennt dafür keinen Grund. In der Mitteilung heißt es nur, man überprüfe regelmäßig die eigenen Programme und habe sich nach einer Bewertung für die Schließung entschieden. Zwischen Ankündigung und Abschaltung liegen damit etwa 35 Tage. Betroffen sind nach Amazons eigenen Angaben über 500.000 Worker in 190 Ländern.

Quellen: TechCrunch (05.07.2026) · TechRepublic (28.08.2026).

Zuerst: Was du noch vor dem 30. September tun solltest

Zwei Dinge, die sich später nicht mehr nachholen lassen:

1. Guthaben auszahlen lassen. Amazon hat öffentlich nicht gesagt, was mit Restguthaben nach dem Stichtag passiert. Warte deshalb nicht bis zum letzten Tag. Überweise dir aus, was da ist, solange der Dienst normal läuft.

2. Deine Arbeitshistorie sichern. Mach Bildschirmfotos von deiner Statistik: Zahl der erledigten Aufgaben, Annahmequote, Qualifikationen. Rechtlich hilft dir das bei keiner neuen Plattform weiter — dort fängst du bei null an. Für dich selbst ist es aber nützlich, um einzuschätzen, wie viel du tatsächlich geschafft hast und was realistisch ist.

Eine Warnung dazu: Rund um solche Abschaltungen tauchen erfahrungsgemäß gefälschte „Nachfolger-Plattformen" auf. Keine seriöse Plattform verlangt Geld dafür, dass du dort arbeiten darfst. Wenn dich jemand zur Vorkasse auffordert, ist es Betrug.

Die ehrliche Vorbemerkung: Womit du rechnen musst

Bei MTurk lagen die realen Stundenlöhne für viele Worker im niedrigen einstelligen Bereich. Wer dir jetzt erzählt, dass du woanders mühelos 30 Dollar die Stunde verdienst, verkauft dir etwas.

Der Zusammenhang ist ziemlich stabil und du solltest ihn kennen, bevor du dich irgendwo anmeldest: Je niedriger die Einstiegshürde, desto niedriger die Bezahlung. Plattformen ohne Test und ohne Bewerbungsgespräch zahlen wenig, weil sich dort jeder anmelden kann. Wer mehr zahlt, verlangt vorher etwas — einen Sprachtest, ein aufgezeichnetes Interview, einen Fachnachweis.

Dazu kommt ein zweiter Punkt, den viele unterschätzen: Nicht der Stundensatz begrenzt dein Einkommen, sondern wie viele Aufgaben überhaupt da sind. Eine Plattform mit 20 Dollar Stundensatz und leerer Aufgabenliste bringt dir weniger als eine mit 8 Dollar und ständig Arbeit. Das kennst du von MTurk.

Die Alternativen im Vergleich

Wir haben unsere 30 geprüften Plattformen danach gefiltert, was für MTurk-Umsteiger zählt: niedrige bis mittlere Einstiegshürde, kein Studium nötig, und Bewerber aus dem deutschsprachigen Raum werden angenommen.

1. Clickworker — der nächste Verwandte

Wenn du einen direkten Ersatz suchst, ist das die Plattform. Clickworker ist eine deutsche Firma aus Essen, gehört seit 2025 zu LXT und funktioniert wie MTurk: Du meldest dich an, ohne Test, und bekommst kleine Aufträge. Ausgezahlt wird ab 10 Euro, wöchentlich, per PayPal oder Überweisung.

Ehrlich dazu: Die Bezahlung ist ähnlich niedrig. Geübte Worker kommen auf etwa 6 bis 12 Euro pro Stunde. Und es kann sein, dass die Anmeldung für Deutschland gerade geschlossen ist — Clickworker pausiert die Registrierung zeitweise, wenn genug Leute da sind. Das ist kein Betrug, sondern normal. Probier es später noch einmal.

2. Prolific — der seriöseste, aber anders

Prolific hat von allen geprüften Plattformen den besten Ruf: 4,5 von 5 bei über 15.000 Bewertungen, keine laufenden Klagen. Du nimmst dort an Forschungsstudien teil, nicht an klassischen Mini-Aufgaben. Das empfohlene Mindesthonorar liegt bei 9 Pfund beziehungsweise 12 Dollar pro Stunde.

Ehrlich dazu: „Empfohlen" heißt nicht „garantiert". Normale Studien bringen real eher 8 bis 12 Dollar. Die oft zitierten 30 bis 100 Dollar pro Stunde sind eine Empfehlung an Forscher, keine Zusage an dich. Und: Mal gibt es viele Studien, mal wochenlang kaum welche. Als alleinige Einnahmequelle taugt Prolific nicht.

3. Mindrift — mehr Geld, aber nicht für Schweizer

Mindrift zahlt deutlich besser als die reinen Mikrotask-Plattformen. Dafür ist die Auswahl mehrstufig. Seit Juli 2026 ist auch Toloka dort aufgegangen — wenn du früher bei Toloka warst, findest du dich hier wieder.

Wichtig für Schweizer: Mindrift nimmt keine Bewerber aus der Schweiz an. Das steht ausdrücklich in den eigenen Teilnahmebedingungen. Deutschland und Österreich stehen auf keiner Sperrliste.

4. Appen über CrowdGen — groß, aber niedrig bezahlt

Appen ist einer der ganz großen Anbieter mit über einer Million Mitgliedern. Die Anmeldung ist einfach, pro Projekt gibt es einen kleinen Test. Wichtig: Als Worker meldest du dich auf crowdgen.com an — appen.com listet nur feste Firmen-Stellen.

Ehrlich dazu: Die Bezahlung ist niedrig, Einsteiger berichten von 2 bis 5 Dollar pro Stunde. Und lass dich von der Konzern-Nachricht nicht täuschen: Appen meldete zuletzt 26 Prozent Umsatzplus, das kommt aber fast komplett aus dem China-Geschäft. Die Sparte, aus der Aufträge für einzelne Worker kommen, lag im selben Halbjahr 27 Prozent unter dem Vorjahr.

5. Weitere Möglichkeiten

Babel Audio zahlt für Audio-Aufnahmen ordentlich (Basis 17,50 Dollar pro Aufnahmestunde). Centific über OneForma nimmt deutschsprachige Bewerber, zahlt aber wenig und es gibt Berichte über gesperrte Konten. e2f läuft weiter über jobs.e2f.io, real sind es etwa 9 bis 15 Dollar pro Stunde.

Wo du besser nicht anfängst

Diese Plattformen würden dich als Einsteiger vermutlich nehmen — wir raten trotzdem ab oder zumindest zur Vorsicht. Die Gründe stehen ausführlich auf den jeweiligen Profilen:

  • Sigma AI: Bezahlt pro Minute fertigem Audio statt pro Arbeitsstunde. Für 2 Minuten Aufnahme sitzt du oft 40 Minuten — bezahlt werden die 2 Minuten.
  • LXT und RWS TrainAI: Dokumentierte Berichte über Arbeit, die erledigt und nicht bezahlt wurde.
  • Sapien: Bezahlt in einer stark schwankenden Krypto-Münze, und du musst eigenes Geld als Pfand einsetzen. Einen offenen Zugang für Worker gibt es ohnehin nicht mehr.
  • TELUS Digital: Seriöser Großanbieter, aber die Firma meldete US-Behörden ein Datenleck. Betroffen waren auch Menschen, die sich nur beworben hatten — mit Namen, vollständigem Geburtsdatum und Gesundheitsdaten.
  • Invisible: Hat derzeit gar keine Trainer-Stellen ausgeschrieben. Eine Bewerbung läuft ins Leere.

Was sich für dich ändert — und was nicht

Eines solltest du wissen, bevor du dich neu anmeldest: Bei den meisten dieser Plattformen arbeitest du als selbstständige Person, nicht als angestellte. Das war bei MTurk genauso. In Deutschland und Österreich bedeutet das, dass du deine Einkünfte selbst versteuern musst und ab bestimmten Grenzen auch Sozialversicherung und Gewerbe ein Thema werden.

Wie diese Grenzen genau aussehen, hängt von deinem Wohnsitz und deiner sonstigen Situation ab. Wir sind ein Vergleichsportal und keine Steuerberater — kläre das bei nennenswerten Beträgen mit einer Steuerberatung oder der zuständigen Stelle, bevor es teuer wird.

Was sich nicht ändert: Auch bei den neuen Plattformen gilt, dass die Aufgabenmenge schwankt. Melde dich ruhig bei zwei oder drei an, statt alles auf eine Karte zu setzen. Genau dafür haben wir das Quiz gebaut.

Welche Plattform nimmt dich?

Das Quiz fragt nach Wohnort, Sprache und Erfahrung — und zeigt dir in 2 Minuten nur die Plattformen, die dich wirklich annehmen. Kostenlos, ohne Anmeldung.

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Häufige Fragen

Wann genau wird Amazon Mechanical Turk abgeschaltet?
Am 30. September 2026. Amazon hat die Schließung Ende August 2026 angekündigt und dafür rund 35 Tage Vorlauf gegeben. Schon seit dem 30. Juli 2026 nimmt der Dienst keine neuen Auftraggeber mehr an. Betroffen sind laut Amazon über 500.000 Worker in 190 Ländern.
Was passiert mit meinem Guthaben bei MTurk?
Amazon hat dazu öffentlich nichts Genaues gesagt. Warte deshalb nicht bis zum letzten Tag. Lass dir dein Guthaben auszahlen, solange der Dienst noch läuft, und sichere dir deine Arbeitshistorie (zum Beispiel als Bildschirmfoto). Deine Statistik bei MTurk kannst du bei keiner anderen Plattform vorzeigen — dort fängst du wieder bei null an.
Welche Plattform ist Mechanical Turk am ähnlichsten?
Clickworker. Es ist eine deutsche Firma aus Essen, du meldest dich ohne Test an, und die Aufgaben sind echte Mini-Aufträge — genau wie bei MTurk. Auch die Bezahlung ist ähnlich niedrig: geübte Worker kommen auf etwa 6 bis 12 Euro pro Stunde. Ausgezahlt wird ab 10 Euro, wöchentlich.
Verdiene ich woanders mehr als bei MTurk?
Meistens ja, aber nicht automatisch. Bei MTurk lagen die realen Stundenlöhne oft im niedrigen einstelligen Bereich. Plattformen wie Prolific oder Mindrift zahlen besser, verlangen aber mehr: einen Sprachtest, ein Bewerbungsgespräch oder Fachwissen. Die Regel lautet: Je niedriger die Hürde, desto niedriger der Lohn.
Nehmen diese Plattformen Bewerber aus der Schweiz?
Nicht alle. Mindrift schließt die Schweiz ausdrücklich aus — das steht in den eigenen Teilnahmebedingungen. Clickworker, Prolific und Appen nehmen Schweizer Bewerber. Prüfe das immer vor der Anmeldung, sonst investierst du Zeit in eine Bewerbung, die nicht angenommen werden kann.
Sind diese Plattformen seriös?
Unterschiedlich. Prolific hat einen sehr guten Ruf, Clickworker einen durchwachsenen, aber es gibt keine Klagen. Bei anderen gibt es dokumentierte Probleme: TELUS meldete US-Behörden ein Datenleck, bei LXT und RWS gibt es Berichte über ausbleibende Zahlungen. Wir nennen diese Warnungen auf jedem Profil offen.

Angaben Stand 14. September 2026, aus mind. 2 unabhängigen Quellen recherchiert, ohne Gewähr — Konditionen können sich ändern. Keine Rechts- oder Steuerberatung.